Von Michael Springer
Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt beabsichtigt, die Torstraße zwischen der Chausseestraße und der Karl-Liebknecht-Straße zu sanieren. Die Planung wurde schon 2025 sehr weit vorbereitet. Der rund 2 Kilometer lange Straßenabschnitt zwischen Chausseestraße und Karl-Liebknecht-Straße soll auf der gesamten Straßenraumbreite grundhaft zu erneuert und umgestaltet werden.
Das Vorhaben Erneuerung der Torstraße zwischen der Chausseestraße und der Karl-Liebknecht-Straße ist auf dem Stadtportal berlin.de dokumentiert.
Die Torstraße soll künftig Verkehrsanlagen für Radfahrende bekommen und zu einer attraktiven Straße mit einer hohen Aufenthaltsqualität umgebaut werden. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr,
Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) lud im vergangenen Jahr zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der die Erneuerung der Torstraße zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz vorgestellt wurde.
Die Informationsveranstaltung zur Erneuerung der Torstraße am 19.11.2025 ist auf YouTube dokumentiert.
Leider haben sich laut Zähler bei YouTube bisher nur 294 Zuschauer das Video angesehen.
Grundhafter Ausbau — lange Bauzeiten absehbar
Der erste Bauabschnitt von der Chausseestraße bis zum Rosenthaler Platz soll bereit im dritten Quartal 2026 beginnen. Die voraussichtliche Bauzeit wird etwa zweieinhalb Jahre dauern. Der bisher geplante zweite Bauabschnitt soll Anfang 2029 beginnen und voraussichtlich ebenfalls zweieinhalb Jahre dauern.
Für die umliegenden Stadtquartiere und für die vielen Anlieger sind das dramatische Perspektiven, denn das urbane Leben vibriert in der Torstraße. Sie ist auch enorm wichtiger Anziehungspunkt für Touristen und derzeit der wichtigste Hot-Spot für gastronomische Highlights in Berlin-Mitte.
Lange Bauzeiten und lange „Bauzaun-Ausstellungen“ sind absehbar und gleichzeitig Gift für Handel, Gewerbe und Gastronomie. Mehr als 50 Betriebe und mehr als 250 Arbeitsplätze sind in Gefahr – allein im Abschnitt Chausseestraße bis Rosenthaler Platz.
Die Initiative „Torstrasse beleben“ hat sich aktuell mit einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit und die Berliner Verwaltung und das Bezirksamt Mitte gewandt.
Abschreckende Beispiele in Berlin sorgen für Besorgnisse
Der Umbau der Kastanienallee sorgte 2011 für ein Bürgerbegehren „Stoppt K 21“, wobei fast drei Jahre gestritten wurde. Es ging um den 650 Meter langen Abschnitt der Flaniermeile zwischen Schwedter Straße und Schönhauser Allee. Damals standen 1,5 Mio. € Bauvolumen auf dem Plan.
Abschreckendes Beispiel in Berlin war auch der Umbau der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Hier wurde auch die Tunneldecke der U7 grundhaft saniert, wegen über 4 Kilometern Länge insgesamt rund 15 Jahre dauerte. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2010, der Neuausbau wurde 2025 fertig gestellt.
Abschreckendes Beispiel war auch die zeitweilige Umwidmung eines 500 Meter lange Abschnitts der Friedrichstraße zur Fußgängerzone seit Ende August 2020. Hier sollte eine „Flaniermeile“ aufblühen, soe versprachen es Bezirk und Senat vor dem Beginn des Verkehrsversuchs. Doch in der Fahrbahnmitte entstand ein rund vier Meter breiter Radfahrstreifen, der zur Radrennbahn wurde, und das urbane Konzept störte.
Anlieger der Torstrasse haben deswegen ähnliche Besorgnisse, denn der Verkehrsversuch wurde „top-down“ von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt umgesetzt. „Unsere größte Sorge ist, dass die Torstraße zur nächsten Berliner Dauerbaustelle wird,“ schreibt die Initiative „Torstrasse beleben.“ — „Beispiele kennen wir alle. Zahlreiche Berliner Straßen haben durch langjährige, schlecht koordinierte Baustellen und fehlender Kommunikation massiv an Attraktivität und Lebensqualität verloren. Gäste bleiben weg, Umsätze brechen ein, Betriebe schließen. Selbst nach Fertigstellung dauert es oft Jahre, bis sich eine Straße wirtschaftlich wieder erholt – wenn überhaupt.“
Offene Fragen — Offene Wünsche
Die Initiative „Torstrasse beleben“ wirft konstruktive Fragen auf, die die bisherige Planungs- und Baupraxis auf den Prüfstand stellen: „… warum fehlt ein klares Konzept, wie die wirtschaftliche Existenz der ansässigen Betriebe während der Bauzeit gesichert werden soll? Wir wünschen uns eine Stadtentwicklung, die Menschen zusammenbringt, statt sie gegeneinander auszuspielen.“
Simon Bühler von der Brasserie Torbar und Tom Wagner von San Buena & Flatmakers mahnen den Vergleich mit anderen europäischen Städten an: „Wenn wir auf Städte wie Paris, Wien, Kopenhagen oder Zürich blicken, sehen wir nicht nur schöne Straßenräume. Wir sehen Städte, die Lebensqualität ganzheitlich denken. Dort werden Aufenthaltsqualität, Wirtschaft, Gastronomie, Kultur, Mobilität und die Bedürfnisse der Anwohner gemeinsam betrachtet.“
Und sie werben im konstruktiven Ton: „Wir wünschen uns ein starkes, lebendiges und attraktives Berlin. Aber dafür muss die Politik verstehen: Eine lebenswerte Stadt entsteht nicht auf dem Reißbrett in einem schönen Büro mit Ausblick allein. Sie entsteht durch die Menschen, die sie jeden Tag mit Leben füllen.
Die Torstraße ist eine organisch gewachsene Erfolgsgeschichte!“
Die Initiative „Torstrasse beleben“ hat dazu eine ganze Reihe offene Wünsche aufgelistet, die vor allem eine Planungssicherheit für die betroffenen Unternehmen und wirtschaftliche Entschädigungsausgleich betreffen. Maßnahmen, die eigentlich selbstverständlich sind.
Was bisher noch nicht angesprochen ist: Grundhafter Ausbau in Berliner Gründerzeitvierteln heißt immer auch Tiefbau- und Rohrleitungsarbeiten, die in der Regel massive Verzögerungen bringen. Dazu kommt das neue Konzept der „Schwammstadt“ und der „Baumentscheid“, der wesentlich größere Baumscheiben erforderlich macht.
Vor einem Baubeginn muss daher auch die Infrastrukturplanung und „Schwammstadt-Planung“ stimmig sein. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und das Bezirksamt Mitte sollten daher eilig die notwendigen Leitungsauskünfte bei ww.infrest.de einholen und die Planungen mit den Berliner Wasserbetrieben und Stromnetz Berlin abstimmen. Es wäre fatal, wenn das Mittelspannungs-Netz zusätzlich ausgebaut werden muss, um die ausreichende Ladesäulen-Kapazität bereit zu stellen.
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