In Berlin arbeiten rund drei Viertel der rund 2.400 Musikschullehrkräfte an den zwölf bezirklichen Musikschulen mit Honorarverträgen. Doch ihre kreativwirtschaftliche „Selbstständigkeit“ ist in Wahrheit eine Abhängigkeit von nur einem Arbeitgeber, der auf ungerechter und unzureichender Bezahlung besteht. Das sog. Herrenberg-Urteil des Bundessozialgerichts von 2022 hat die Prüfkriterien für selbstständige Tätigkeit verschärft. Kommunale Musikschulen müssen nun absehbar ihre Lehrkräfte künftig fest anstellen und Arbeitgeberbeiträge zuzahlen. Das sorgt für Haushaltslöcher, denn das Geld ist nicht da. Musikschulen müssen künftig schrumpfen und Lehrkräfte freisetzen, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.
Die Debatte um die Musiklehrkräfte ist eine Spätfolge der Agenda 2010, die einer Lohnsenkungspolitik und einer Prekarisierung künstlerischer und kreativwirtschaftlicher Berufe jahrzehntelang Vorschub geleistet hat. Die Gewerkschaften wie VERDI haben das verdrängt. Das Musikbusiness ist unterdessen weltweit geradezu explodiert und strebt nun in digitale Streaming-Medien und Media-Kanäle wie YouTube. — Jüngst sorgt Künstliche Intelligenz für völlig neue Musikerlebnisse. Fortgeschrittene Systeme wie der AI Music Factory Generator können aus einfachen Texten ganze Musikstücke generieren. Was wird aus den Musiklehrern – diese Frage muss alle Menschen umtreiben. Denn musikalische Bildung ist „zivilisationsrelevant“ — genau wie Journalismus!
Ein Beitrag in der Charlottenburg-Wilmersdorf-Zeitung rät zu mehr Offenheit, denn es gibt gar kein echtes Finanzproblem! Kulturstadt, Tourismuswirtschaft und das MICE-Geschäft hängen auch von Musik ab! Musikschulen sind nicht allein nur Thema der Kulturpolitik, sondern immer auch Kulturwirtschafts- und Medienpolitik — die Lebensqualität und Ausstrahlung Berlins bestimmen.
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