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Digitalrat neu in der Waschmaschine

Digitalrat berufen

Langsam wird es eng im Bundeskanzleramt. Die Bundeskanzlerin hat einen weiteren Expertenrat berufen: „Digitalrat – Experten, die uns antreiben!„. In einem Video stellte die Kanzlerin ihre Absicht vor:“Die Digitalisierung bietet enorme Chancen, und die Bundesregierung möchte, dass die Menschen auch teilhaben können, an diesen Chancen.“ – Seit ihren ersten Schritten im @Neuland im Jahr 2013 hat die Kanzlerin das Thema Digitalisierung auf der politischen Agenda. Doch seitdem ist scheinbar nicht allzuviel passiert.

Die Berufung der Experten folgte erst nach Veröffentlichung des Videos. Noch bevor die Namen aller Experten bekannt waren, wurde schon darüber diskutiert, wer wohl die kurzen Hosen im Digitalrat anhat. Ijad Madisch, Gründer und Geschäftsführer von Researchgate in Berlin, kam in gewohnter Sommerkleidung, und ist inzwischen von Microsoft übernommen worden. Er ergänzt ideal die Microsoft-Zukunftsstrategien.

Ingo Dachwitz von Netzpolitik.org krtisierte sogleich den neuen „Digitalrat: Diese zehn sollen Merkels verkorkste Netzpolitik retten“ ( Ingo Dachwitz | 21.08.2018 ).

Die Chancen der Digitalisierung nutzen – es ist ein Schwerpunktthema der Bundesregierung seit 2014. Es wurde in der Digitalen Agenda 2014-2017 der Bundesregierung niedergelegt. Vieles wurde vorbereitet – aber maches steckt auch fest.

Wichtige Teilprojekte wurden jedoch weder von Netzpolitikern noch von Branchenverbänden zur Kenntnis genommen, sodaß sich viele Entwicklungen in hoch spezialisierten Fachkreisen und Kompetenzzentren volziehen. – Oder im Europäischen Parlament, in dem weitgehend ungestört von Brancheninteressen, die EU-Datenschutzgrundverordnung vorbereitet und in Kraft gesetzt wurde. Die ePrivacy-Verordnung hängt nun noch fest – und hier bauen sich echten Fronten und Gegner auf, weil Datenschutz das gesamte Internet in ein neues Paradigma der Entwicklung drängt.

Mehr Ordnung in der Digitalen Agenda als vermutet – der Digitalrat muss sich einarbeiten

In dieser Woche nimmt der Digitalrat seine Arbeit auf. Ob die Vorsitzende Dr. Katrin Suder: dessen Arbeit ähnlich wie bei der Arbeit im Bundesverteidigungsministerium leiten wird, ist die größte Befürchtung. Denn die Bundeswehr wurde nicht nur kaputtgespart, sondern auch kaputtorganisiert. Die promovierte Neuroinformatikerin war Direktorin bei der Unternehmensberatung McKinsey, und hat offenbar mehr Methodenbezug, als pragmatische Umsetzungsmodelle mit Führungsebenen.

Ijad Madisch ist eine gute Wahl, weil er Erfahrung mit dem Aufbau einer weltweiten sozialen Plattform-Ökonomie hat. Researchgate ist nicht nur direkt für die beteiligten Wissenschaftler und Forschungsinstitute ein Gewinn, sondern auch ein mittelbarer hoch spezialisierter Markt für Mess- und Laborgeräte und Spezialtechnologien – und für Patente und „Intellectual Properties“ ( intellektuelle Besitztümer und Schutzrechte). Ijad Madisch sorgt aber sicher auch für den weitere mittelbaren Einfluß des Mutterkonzerns Microsoft, der vor allem auch eGovernment-Lösungen und Künstliche Intelligenz und Cloud-Technologien verkaufen will.
Chris Boos hat mit HIRO™ eine von seinem Startup Arago entwickelte allgemeine Problemlösungstechnologie für künstliche Intelligenz im Angebot. Der KI-Problemlösungsansatz hat ein gewaltiges Potential, weil viele Standard-Unternehmensprozesse und auch eGovernment-Lösungen mittels Künstlicher Intelligenz automatisiert wern können. Auch in Mensch-Maschine-Kollaboration kann mit HIRO™ effektiver gearbeitet werden. Boos muss sich aber vor allem mit der Frage befassen, was mit den aus Büro- und Sachbearbeiterberufen frigesetzten Menschen passieren soll.

Prof. Dr. Urs Gasser stammt aus der Schweiz, ist Jura-Professor an der Harvard Law School und Direktor des Berkman Klein Center for Internet & Society der Harvard University – und steht damit für das von US-Firmen geprägte Internet, mit dessen ökonometrischen Hintergrundstrukturen, und dem kaum merklichen Einfluss von neuronalen Design, das im Twitter-Account von Donals J.Trum zum weltweiten Menetekel wird.

Stephanie Kaiser, Geisteswissenschaftlerin, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Firma Heartbeat Labs, die Start-Ups im Gesundheitsbereich gründet und finanziert, muss sich mit einem besondern Konfliktfeld auseinander setzen. Das Großprojekt „Gesundheitskarte“ ist millionenschwer gescheitert, das enge Arzt-Patienten-Verhältnis und der HONcode erweisen sich als „Innovationshindernisse“, die gut begründbare Konventionen und ethische Grenzen für „Healthineers“ setzen.

Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger ist BigData-Fan! Ostereicher, Jurist, Professor für Internet Governance am Oxford Internet Institute und Co-Autor des Buches „Big Data: Die Revolution, die unser Leben verändern wird“. Er wird sich mit der Frage auseinander setzen müssen, ob menschliche Freiheit besser mit „Smart Serverless Citizens-Strukturen“ erreichbar ist, und dabei auch noch Strom spart, und Elektronikschrott minimiert.

Prof. Dr. Beth Simone Noveck ist Amerikanerin, Juristin, Professorin an der Tandon School of Engineering der New York University. Sie hat eine große Ansatz als Chefin von Barack Obamas Open Government Initiative mit entwickelt, die auch in Deutschland als Vorlage angesehen wird: der „The National Science Foundation Open Government Plan 4.0“ ist eine Blaupause für demokratisch verfaßte Gesellschaften. Allerdings muss intensiv über eine Version 5.0 nachgedacht werden, denn die asiatischen Staaten sind schon bei einer gemeinsamen digitalen Regulierungspolitik angelangt, wie Ram Sewak Sharma: in „E-Governance: The Indian paradigm for citizen friendly governance“ schreibt.

Ein wichtiger Wissensträger und Innovator der Digitalen Agenda ist Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Parycek. Er stammt auch aus Österreich, ist Jurist und leitet den vom Bundesministerium des Innern, des Innern, für Bau und Heimat geförderten Thinktank „Kompetenzzentrum Öffentliche IT“ am Berliner Fraunhofer-Institut FOKUS in Berlin Moabit. Ihm obliegt es, die bisherigen Vorarbeiten zum Datenschutz und zu Persönlichkeitsrechten im Internet auf die Agenda zu setzen.

Prof. Dr. Ada Pellert ist heute Bildungsforscherin und Direktorin der Fernuniversität Hagen. Ihr Beitrag wird vor allem bei der Anwendung digitaler Technologien im Bildungsbereich liegen – wobei es heute sehr strittig ist, wie Kinder erst Umwelterfahrung, analoge sinnliche Fähigkeiten und körperliche Fähigkeite entwickeln können, wann sie noch vor Erreichen der Stufen des abstrakten Denkens (ab 12 Jahren) schon medial und performativ denken lernen, und die Phase dess logischen Denkens (ab 7-12 Jahre) womöglich verpassen. Lese- und Rechtschreibschwächen und Rechenschwächen wirken sich heute längst in der klassischen PÄdagogik negativ aus.

Dr. Andreas Weigend sorgt für den Part von Amazon. Als promovierter Physiker und Chief Scientist beim Konzern Amazon, lehrt er an den Eliteuniversitäten in Stanford und Berkeley und ist Autor des Buches „Data for the People“. ER wird den Digitalrat von den Vorzügen der „Subscription-Economy“ überzeugen wollen – und sich jedoch mit der Tatsache auseinandersetzen müüssen, dass auch Amazon von der technischen Entwicklung überholt – und „digitalökpnomisch getunnelt“ werden kann!

Die Berlin-Mitte Zeitung wird die Themen der Digitalisierung beonders aufmerksam begleiten – denn alle wichtigen Akteure konzentrieren sich in Berlins Hauptstadtbezirk.

ms