Home > Aktuell > Online-Plattformen verzerren die Realität auf den Wohnungsmärkten

Online-Plattformen verzerren die Realität auf den Wohnungsmärkten

GdW-Präsident Axel Gedaschko

In Zeiten extremer Wohnungsknappheit für bezahlbaren Wohnraum muss der Blick auch auf ein besonderes „digital-mediales“ Marktgeschehen gerichtet werden:

Aussagen zur Entwicklung der Mieten in Deutschland basieren überwiegend auf Daten, die die Realität verzerrt wiedergeben und zu falschen politischen Schlussfolgerungen verleiten. Darauf machte der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V. Anfang Februar aufmerksam.

Angebotsmieten von Neuvermietungen bestimmen das Bild

Denn es handelt sich dabei um Auswertungen allein zu Angebotsmieten neu- und wiedervermieteter Wohnungen – und diese beruhen mangels Alternativen oft allein auf Daten von Online-Plattformen für die Mietwohnungsvermittlung. Dabei wird ohne die nötige wissenschaftliche Sorgfalt darüber hinweggegangen, dass das aus Online-Plattformen ermittelte Mietniveau keineswegs repräsentativ ist.

Spitzenverband der Wohnungswirtschaft warnt

„Das verzerrte Mieten-Bild entsteht auch dadurch, dass gerade in angespannten Märkten die preisgünstigen Wohnungen der GdW-Unternehmen kaum über Online-Plattformen vermittelt werden“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Das trifft generell auch für andere preisgünstige Wohnungen zu, die über Empfehlungen und unter der Hand neu vermietet werden. Wohnungsgenossenschaften haben oft lange Wartelisten und die kommunalen Unternehmen können ihren Wohnungsbestand aufgrund der dargestellten Preisvorteile oft ohne die Unterstützung kommerzieller Plattformen neu vermieten.

Statistiken von Online-Plattformen lückenhaft?

Der GdW führt dies auf folgende Umstände zurück: bei einem Marktanteil der sozialen Wohnungswirtschaft von 30 Prozent am Mietwohnungsmarkt klafft in den Statistiken von Online-Plattformen also eine große Lücke, wenn dort die deutlich moderateren Angebotsmieten der Wohnungsunternehmen zum größten Teil nicht berücksichtigt sind.

Eine aktuelle Umfrage bei allen GdW-Unternehmen zur Höhe der Neu- und Wiedervermietungsmieten unterstreicht das Daten-Problem: Die Vermietungsangebote der Wohnungswirtschaft, die in den Auswertungen der Online-Plattformen nicht vorkommen, sind deutlich günstiger als die in Inseraten aufgerufenen Wohnungsangebote.

GdW-Wohnungsunternehmen mit moderaten Mieten

Nach Untersuchungen des GdW liegen 88 Prozent der Angebote für neu- und wiedervermietete Wohnungen bei den GdW-Unternehmen unter dem Median der Angebotsmieten, die sich auf veröffentlichte Inserate stützen.
Das belegt sehr eindrücklich: Die Datenquelle „Inserate“ berücksichtigt vor allem einen höherpreisigen Ausschnitt der Neuvermietungen.

In den kreisfreien Großstädten ist der Unterschied am auffälligsten. Hier liegen 94 Prozent aller Mietangebote der GdW-Unternehmen unter dem Median-Wert der inserierten Angebote. In ländlichen Kreisen mit Verdichtungsansätzen ist dieser Anteil am geringsten. Aber auch dort liegen 84 Prozent der GdW-Angebote unter den in Inseraten aufgerufenen Mieten.

Daten von Online-Plattformen überzeichnen das Bild

Im Ergebnis heißt das: Die aus den Daten der Online-Plattformen abgeleitete, hohe allgemeine Steigerung der Mieten ist deutlich überzeichnet.

„Die Daten von Online-Plattformen sollten nicht als Grundlage für politische Entscheidungen herangezogen werden, schon gar nicht als Begründung für einen Mietenstopp oder ein Mietenmoratorium“, sagte der GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rund 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

Quelle: GdW 9. Februar 2021