Freitag, 02. Oktober 2026
Home > Aktuell > Wu-Oper 婺剧 – Aufführung in der Urania Berlin

Wu-Oper 婺剧 – Aufführung in der Urania Berlin

Das Gefolge des weißen Knochendämons - Wu-Oper

Von Amina Mendez

Zu einer besonderen Präsentation lud am Dienstag, das Chinesische Kulturzentrum Berlin ein. In der Urania präsentierte das Zhejiang Wu Opera Research Center eine Auswahl klassischer Stücke der berühmten Wu-Oper. Die chinesische Wu-Oper, 婺剧, auch Jinhua-Oper oder Wùjù genannt, hat ihren Ursprung in Ost-Zentralchina. Sie vereint sechs verschiedene Gesangsstile, den Gaoqiang, Kunqu, Luantan, Huixi, Tanhuang sowie den Shidiao und zählt zum nationalen immateriellen Kulturerbe Chinas.

Die musikalische Vielseitigkeit, die Farbenfreude und die akrobatischen Höchstleistungen begeisterten das international vielfältige und multikulturelle Publikum an diesem Abend in Berlin. Präsentiert mit viel Freude und Komik spiegelte die Vorführung nicht nur das reiche kulturelle Erbe der Provinz Zhejiang an der Küste zum Ostchinesischen Meer wider. Es zeigte eine Nation voller Lebensfreude, Begeisterung und Zukunftsvisionen. Die beeindruckenden Kostüme, ausdrucksstarken Masken und reiche Gestik brachten lebendige Emotionen zum Ausdruck und machten die Aufführung zu einem ästhetischen Hochgenuss.

Der neunfältige Drache - Wu-Oper
Der neunfältige Drache – Foto: © a/m, Berlin-Mitte Zeitung

Der Abend begann mit dem traditionellen Drachentanz „Der neunteilige Drache“ 九节龙》. Mit synchronen Bewegungen ließen die Schauspieler den Drachen scheinbar schwerelos durch die Luft tanzen, wobei dieser kunstvolle Drehungen und Sprünge vollführte.

Die Himmelsmaid streut Blumen - Wu-Oper
Die Himmelsmaid streut Blumen – Foto: © a/m, Berlin-Mitte Zeitung
Die Himmelsmaid streut Blumen - Wu-Oper
Die Himmelsmaid streut Blumen – Foto: © a/m, Berlin-Mitte Zeitung

Es folgte „Die Weggabelung“,《三岔口》, eine Kampfszene, die auf rein pantomimischer Darstellung basierte. Danach erschien „Die Blumen streuende Himmelsmaid“, 《天女散花》. In dieser Szene wirbelte die Darstellerin lange fließende Seidenbänder durch die Lüfte und erzeugte so Farb- und Formspielereien. Der farbenprächtige Tanz beschrieb die „Himmelsfee“ aus den alten chinesischen Mythen und Legenden. Er war eine Hymne an die Schönheit der Frau und den Rhythmus des Operntanzes.

Im Stück „Der Sänftenritt“, 《抬花轿》, spielte die komödiantische Komponente der Wu-Oper eine dominante Rolle. Vier sich langweilende Sänftenträger spielten der Dame in der Sänfte ihre Streiche, die sich anschließend revanchierte. „Maskenwechsel“, 变脸》, war eine Hommage an das ausgefeiltes Geschick. Blitzschnell tauschte der Darsteller zahlreiche Masken und erzeugte so die Illusion einer dramatischen Charakteränderung.

Der Sänftenritt - Wu-Oper
Der Sänftenritt – Foto: © a/m, Berlin-Mitte Zeitung

Das „Huihu-Solo“, 《徽调》, präsentierte Melodien mit der Hu-Hu-Fiedel. Das Saiteninstrument hat eine über 200-jährige Geschichte und bringt dem Charme der traditionellen chinesischen Opernmusik besonders zur Geltung.

Der Höhepunkt des Abends folgte nach der fünfzehnminütigen Pause, mit dem Stück „Drei Kämpfe gegen den weißen Knochendämon“, 《三打白骨精》. Die Geschichte handelte von Mönch Tang Sanzang, der sich auf seiner Reise nach Amitabha, dem buddhistischen Himmel befand. Er wurde von Sun Wukong, König der Affen, Zhu Wuneng, einem Wesen halb Schwein, halb Mensch und dem Halbdämon Sha Wujing begleitet. Unterwegs versucht der weiße Knochendämon mit seiner Gefolgschaft den Mönch zu töten. Mit großem Mut, Humor und Weisheit setzt der Affenkönig alle Mittel in Bewegung, um den Dämon von seinem Vorhaben abzubringen.

"Die drei Kämpfe mit dem weißen Knochendämon"  - Wu-Oper
Der weiße Knochendämon mit seinem Gefolge – „Die drei Kämpfe mit dem weißen Knochendämon“ – Foto: © a/m, Berlin-Mitte Zeitung

Bei den Kampfszene trat das Affenheer gegen das Gefolge des Dämons an. Mit raffinierten akrobatischen Techniken wurden Illusionen, wie die des Schwebens, von Wellenförmigkeit und übernatürlich schnellen Bewegungsabläufen vermittelt, wodurch die Präsentation surreale, mythologische Erzählelemente zum Ausdruck brachte. Kraftvolle Gong- und Trommelschläge gaben den dramatischen Momenten Intensität und sorgen für die Dynamik der Vorführung. Die verschiedenen Gesangsstile und Stimmtechniken entfalteten eine hochkomplexe musikalische Darbietung.

Das Stück „Drei Kämpfe gegen den weißen Knochendämon“ basierte auf dem klassischen Roman „Die Reise nach Westen“, 西遊記, von Wu Cheng’en, einem der vier berühmten Werke der chinesischen Literatur, das auf eine wahre Geschichte gründet. Der chinesische Mönch Xuanzang, alias Tang Seng, unternahm zur Zeit der Tang-Dynastie (618 bis 907) eine Reise über die Seidenstraße nach Westen, von China nach Indien, um von dort Buddhas heilige Schriften (Sutra) in die Heimat zu bringen.

"Die drei Kämpfe mit dem weißen Knochendämon"  - Wu-Oper
Mönch Tang-Sanzang mit seinen Begleitern – „Die drei Kämpfe mit dem weißen Knochendämon“ – Foto: © a/m, Berlin-Mitte Zeitung

Mit großem Applaus endete die Präsentation. Viele freudige Gesichter konnte man im Publikum sehen. Nach dem Beifall für die Schauspieler betraten noch die Ehrengäste die Bühne.

Zhejiang Wu Opera Research Center hat bereit mehr als 300 Gastspiele in 78 Ländern rund um den Globus gegeben. Das Ensemble erreichte bei seinen Aufführungen bisher rund fünf Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen auf der ganzen Welt. Für die Präsentation „Drei Kämpfe gegen den weißen Knochendämon“ erhielten sie am 4.11.2025 den 18. Wenhua Award. Der Wenhua-Award, 回 文華賞, gilt als die höchste nationale Auszeichnung der chinesischen Regierung für darstellende Künste und wird vom Ministerium für Kultur und Tourismus der Volksrepublik China verliehen.

Weitere Informationen:

c-k-b.eu


Public Media —