Freitag, 24. Mai 2024
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Buk, Bomnal & Bruchtest/ Board Breaking

Isabella und Ahin tanzen zu Perfect Night von Le Sserafim.

Deutsch

Korea-Fans gestalten Bühnenprogramm von „Korea Open Stage“

Von Natascha Schabert

K-Pop, Taekwondo, Kalligrafie und koreanisches Kochmusical ­– sie alle trafen am 12. April 2024 bei dem Event „Korea Open Stage“ im Koreanischen Kulturzentrum Berlin aufeinander.

Die Veranstaltung bot 55 Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland die Möglichkeit, vor einem rund 100-köpfigen Publikum ihre Faszination für Korea und die koreanische Kultur in den Kategorien Vortrag, K-Pop Tanz, traditioneller Tanz, Gesang und Kunst zu teilen. Bis zum 29. März konnten sich Amateur:innen, die einen Beitrag zu Korea präsentieren wollten, bewerben. Anhand einer internen Jury wurden 17 Beiträge ausgewählt.

Das Alter der Mitwirkenden reichte von 11 bis über 80 Jahren. Nicht weniger vielfältig waren die Orte, aus denen die Koreabegeisterten kamen. Einige von ihnen hatten einen Weg von mehreren hundert Kilometern auf sich genommen und waren aus Städten wie Köln oder Dortmund angereist.

Grußwort des Leiters des Koreanischen Kulturzentrums
Grußwort des Leiters des Koreanischen Kulturzentrums – Foto: Koreanisches Kulturzentrum
Covertanz zu HIP von Mamamoo
Covertanz zu HIP von Mamamoo – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

Für den Großteil von ihnen war dies die erste Gelegenheit, um auf einer Bühne vor Publikum aufzutreten. So auch für Mathilda aus Erfurt, die an diesem Abend einen K-Pop-Tanz zum Lied „Loco“ von der koreanischen Girlgroup ITZY aufführte. Auf die Frage, ob sie sich auf die „Korea Open Stage“ freue, antwortet sie: „Ja, sehr! Aber [ich bin] auch sehr aufgeregt.“ Kein Wunder, denn erstmals konnte die 15-Jährige vor einer größeren Zuschauerschaft unter Beweis stellen, was sie sich in den letzten drei Jahren selbst beigebracht hatte.

Die südkoreanische Populärkultur hat in den letzten Jahren weltweit eine immer weiter wachsende Popularität erlebt. Das Phänomen wird als „Koreanische Welle“ (Hallyu) bezeichnet und steht für das gestiegene Ansehen der südkoreanischen Popkultur in der Welt. Die Hallyu-Welle hat auch Chieko erfasst, die zusammen mit Seoyoung einen K-Pop-Chor leitet. Dieser sang das Lied „Spring Day“ („Bomnal“) von der berühmten Boygroup BTS und wurde damit von der unabhängigen Publikumsjury auf den ersten Platz gewählt. „Wir haben gesehen, dass auch in Deutschland der Bedarf an K-Pop gestiegen ist“, erzählt sie vor dem Auftritt.

Der K-Pop-Chor performt Springday von BTS
Der K-Pop-Chor performt Springday von BTS – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

Aufgrund dieser globalen Entwicklung ist es nicht verwunderlich, dass auch viele der anderen Teilnehmenden durch die Hallyu-Welle zur koreanischen Kultur fanden. Dass aus der Liebe zum koreanischen Film und zur Musik mehr werden kann, zeigten Josefine und Melina. „Ich habe angefangen, K-Pop zu hören, dann K-Dramen geguckt und die Koreanisch AG in der Schule besucht. Dann habe ich begonnen, mich mehr und mehr mit Korea zu beschäftigen“, erzählt Melina. Schließlich führte ihre Koreabegeisterung zu einem Schüleraustausch auf die koreanische Ferieninsel Jeju. Ihre Erlebnisse beim Austausch stellten die beiden Gymnasiastinnen nun in einem Vortrag vor.

K-Dramen haben auch Cordula Wystrach maßgeblich beeinflusst, die neben ihrer Tätigkeit in der Unternehmensberatung freiberufliche Filmemacherin ist. „K-Dramen haben mir eine neue Welt eröffnet“, berichtet sie bei dem Event. Inspiriert von deren Bildern und Machart möchte sie nun ihr selbstentwickeltes Korea-Filmprojekt umsetzen. Für ihre moderne Reisedokumentation plant sie eine Reise durch Korea, um über den Kontakt zu Einheimischen und Zugewanderten das Land und die koreanische Kultur gemeinsam mit ihren Zuschauer:innen zu entdecken und die Faszination dafür zu teilen.

Dass jedoch nicht alle Korea durch die koreanische Populärkultur lieben lernen, bewies an diesem Abend unter anderem Selahattin Turap. Der Taekwondo-Meister, dessen Großvater im Koreakrieg als Teil der türkischen Streitkräfte an der Seite von Südkorea gekämpft hatte, beeindruckte bei der „Korea Open Stage“ nicht nur mit seiner perfekten Durchführung eines Bruchtests, sondern auch mit seiner brennenden Passion für Korea.

Was die „Korea Open Stage“ gezeigt hat: Das Koreanische Kulturzentrum bietet nicht nur koreabegeisterten Teenagern einen Bezug zu dem Land ihrer Träume, sondern auch ehemaligen koreanischen Krankenschwestern eine Verbindung zu ihrer weit entfernten Heimat. Der Koreanische Krankenschwestern-Verband präsentierte unter der Leitung von Young-woo Lee im „Sungmu Oego Buk“ die traditionellen Tänze und Trommeln (Buk) Koreas. Myungsook Birreck, die in den 1970er-Jahren ebenso wie die Mitglieder der Tanzgruppe als Krankenschwester nach Deutschland gekommen war, sprach über ihre Liebe für ihr Heimatland und die koreanische Volksmusik: „Die europäische Musik ist für die Ohren, aber die koreanische Musik ist für die Seele.“ Das haben an diesem Abend alle Besucher:innen der „Korea Open Stage“ deutlich gespürt.

Trommelperformance aus koreanischem Kochmusical
Trommelperformance aus koreanischem Kochmusical – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

Heimat war auch für den Publikumsjoker Kristina von zentraler Bedeutung. Für die 12-jährige Ukrainerin, die nach dem Ende des offiziellen Programms spontan beim „Zuschauer-Casting“ auf die Bühne gewählt wurde, ist K-Pop ein großer Trost während ihrer Eingewöhnungszeit in einem fremden Land. „Mein Interesse für die koreanische Kultur lenkt mich in schwierigen Situationen von negativen Gedanken ab“, sagt sie.

Letztendlich hat die Veranstaltung „Korea Open Stage“ erneut bewiesen, dass die koreanische Kultur Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Herkunft und mannigfaltiger Interessen miteinander verbindet.

Gruppenfoto der Mitwirkenden
Gruppenfoto der Mitwirkenden – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

English

Korea fans design the stage program of “Korea Open Stage”

by Natascha Schabert

K-pop, taekwondo, calligraphy and Korean cooking musicals – they all came together on April 12, 2024 at the “Korea Open Stage” event in the Korean Cultural Center Berlin.

The event offered 55 contestants from all over Germany the opportunity to present their enthusiasm for Korea and Korean culture. The participants performed in the five categories of presentation, K-pop dance, traditional dance, singing and art in front of an audience consisting of over 100 viewers. Until March 29, amateurs who wanted to present a contribution had been given the opportunity to apply. Based on an internal jury, 17 entries were selected.

The contestant’s age ranged from 11 to over 80 years old. No less diverse were the places from which the Korea enthusiasts originated. Some of them had traveled several hundred kilometers and came from cities such as Cologne or Dortmund.

Eigene Choreografie zu Helicopter von CLC
Eigene Choreografie zu Helicopter von CLC – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

For the majority of them, this event was their first opportunity to perform on stage in front of an audience. This was also the case for Mathilda from Erfurt who performed a K-pop cover dance to the song “Loco” by the Korean girl group ITZY. When asked whether she was looking forward to “Korea Open Stage”, she replied: “Yes, very much! But I’m also very nervous.” This was no surprise since it was the first time for the 15-year-old teenager to demonstrate in front of a larger audience what she had taught herself over the last three years.

In recent years, South Korean popular culture has become increasingly favored worldwide. This phenomenon is referred to as the „Korean Wave“ (Hallyu) and stands for the increased reputation of South Korean pop culture around the world. The Hallyu wave has also affected Chieko who leads a K-pop choir together with Seoyoung. The choir sang the song “Spring Day” (‘Bomnal’) by the famous boy group BTS and was voted first place by the independent audience jury. “We have seen an increased demand for K-pop in Germany”, she says prior to the performance.

Der K-Pop-Chor performt Springday von BTS
Der K-Pop-Chor performt Springday von BTS – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

Due to this global development, it is not astonishing that many of the other participants also found their way to Korean culture through the Hallyu wave. Josefine and Melina proved the fact that love for Korean film and music can develop into something more. “I have started to listen to K-pop, then watched K-dramas and attended the Korean language club at school. Then, I began to get more and more interested in Korea”, says Melina. Eventually, her fascination with Korea led to a student exchange to the Korean vacation island of Jeju. In this evening’s presentation, the two high school students shared their experiences of the exchange with the audience.

K-dramas have also significantly influenced Cordula Wystrach who, in addition to her work in management consulting, is a freelance filmmaker. “K-dramas have opened up a new world for me”, she explains at the event. Inspired by their images and style, she wants to realize her self-developed Korean film project now. For her modern travel documentary, she plans a journey through Korea to discover the country and the culture together with her viewers through contact with locals and expats and share her fascination for it.

Vortrag von Taekwondomeister Selahattin Turap
Vortrag von Taekwondomeister Selahattin Turap – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

However, not everybody learns to love Korea through Korean popular culture, as Selahattin Turap proved this evening. The taekwondo master whose grandfather fought alongside soldiers of the Republic of Korea as part of the Turkish armed forces during the Korean War not only impressed the audience with his perfect execution of a board breaking test but also with his burning passion for Korea.

“Korea Open Stage” showed that the Korean Cultural Center not only offers Korea-loving teenagers a connection to the country of their dreams but also former Korean nurses a link to their distant homeland. The Korean Nurses‘ Association, under the direction of Young-woo Lee, presented in the “Sugmu Oego Buk” the traditional dances and drums (buk) of Korea. Myungsook Birreck who just like the members of the dance group came to Germany in the 1970s as a nurse spoke about her love for her home country and Korean folk music: “European music is for the ears, but Korean music is for the soul.“ This was felt by all viewers of “Korea Open Stage” at that evening.

Publikumsjoker Kristina singt Dice von NMIXX.
Publikumsjoker Kristina singt Dice von NMIXX. – Foto: Koreanisches Kulturzentrum

The concept of home was also of importance for the audience joker Kristina. The 12-year-old Ukrainian girl was spontaneously chosen to perform during the audience casting after the end of the official program. For her, K-pop has been a great comfort during her period of adaptation in a foreign country. “My interest in Korean culture distracts me from negative thoughts in difficult situations”, she says.

Ultimately, the “Korea Open Stage” event proved once again that Korean culture brings together people of different ages, backgrounds and interests.

Trommeltanz der URI-Tanzgruppe
Trommeltanz der URI-Tanzgruppe – Foto: Koreanisches Kulturzentrum