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Zwei Bücher, zwei aktuelle Themen zur Krise der Demokratie

Judith Butler und Pierre Rosanvallon

Ein ganzer Stapel Bücher liegt in der Rezensionsschublade der Redaktion. Kurzvorstellungen im Bücher-Caroussel, Kurzrezensionen und ausführliche Rezensionen werden vorbereitet. Heute werden zwei neue Bücher vorgestellt, die mit hren Ansätzen und Gedanken mitten hinein in die Zeit passen können. Das als Bildhintergrund ausgewählte Luftbild des Berliner Regierungsviertels ist mehr Anregung und atmosphärisches Beiwerk. Aber es hilft als Inspiration, unsere Welt und unsere Demokratie im Lichte der innovativen Gedanken einer amerikanischen Autorin und der Reformideen eines französischen Historikers zu betrachten.

Judith Butler: Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung

„Die »Politik der Straße« hat Hochkonjunktur, wirft aber auch Fragen auf. Sind Versammlungen als Ausdruck der Souveränität des Volkes aus radikaldemokratischer Perspektive zu begrüßen oder geben sie Anlass zur Sorge vor der Herrschaft des »Mobs«? Und wer ist überhaupt »das Volk«? Judith Butler geht den Dynamiken und Taktiken öffentlicher Versammlungen unter den derzeit herrschenden ökonomischen und politischen Bedingungen auf den Grund. Fluchtpunkt dieses hochpolitischen Buches ist eine Ethik des gewaltlosen Widerstands in einer gefährdeten Welt, in der die Grundlagen solidarischen Handelns allmählich zerfallen oder zerstört werden.“

Butler bündelt in dem Buch verschiedene Texte der letzten Jahre zu Themen der Versammlung, Protest, Demokratie, Verletzbarkeit etc.. Dabei knüpft sie einerseits an ihre früheren Werke wie Gefährdetes Leben, Raster des Krieges, u.a an. – Butler sieht gemeinsames Handeln als eine verkörperte Form des Infragestellens vorherrschender Vorstellungen des Politischen. Mit ihren Überlegungen zur Performanz von Bewegungen bis hin zur Politik, gibt Butler wichtige Hinweise zur Wirksamkeit von Occupy-Bewegung, Arabischem Frühling und anderen Protestbewegungen.

Judith Butler, geboren 1956, lehrt Rhetorik, Komparatistik und Gender Studies in Berkeley, Kalifornien.


Literaturhinwweis:

udith Butler: Anmerkungen ...

Judith Butler:
Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung
Aus dem Amerikanischen von Frank Born

suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2258,
Taschenbuch, 312 Seiten, 20,00 €
ISBN: 978-3-518-29858-9


Pierre Rosanvallon: Die gute Regierung

Die westlich geprägten Demokratien befinden sich nach einer stürmischen Digitalisierung und Mediatisierung in einer großen Krise. Auswege werden gesucht. Pierre Rosanvallon behandelt die problematischen Aspekte der heutigen Demokratien und zeigt mögliche Auswege:

„Die meisten politischen Systeme der westlichen Welt gelten als demokratisch, aber im Grunde reduziert sich die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger auf die Wahl von Repräsentanten und Regierenden, also auf ein Verfahren zur Beglaubigung von Mächtigen und zur Bestätigung allgemeiner Zielsetzungen. Angesichts der mit einer solchen »Genehmigungsdemokratie« verbundenen Gefahren entwirft Pierre Rosanvallon in seinem vieldiskutierten Buch das Gegenmodell einer »Bestätigungsdemokratie« – und fordert nicht weniger als eine demokratische Revolution, in der die Beziehungen zwischen Regierenden und Regierten neu bestimmt werden.“

Pierre Rosanvallon ist Professor für Neuere und Neueste politische Geschichte am Collège de France und Forschungsdirektor an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS). 2016 erhielt er den Bielefelder Wissenschaftspreis.

»Das Buch gibt allen Antworten, die demokratische Herrschaft neu begründen wollen und mehr Demokratie wollen.«
Reiner Girstl, 04.09.2018

Literaturhinweis:

Pierre Rosanvallon: Die gute Regierung

Pierre Rosanvallon: Die gute Regierung
Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt
Die gute Regierung

suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2246,
Taschenbuch, 366 Seiten, 24,00 €
ISBN: 978-3-518-29846-6

Berlin Steglitz Schlossstraße 110 12163 Berlin

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