Freitag, 24. Mai 2024
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Maskenwechsel, Klappern und Pfingstrosen aus Pengzhou

Maskenwechsel - 7. Quyi-Vorstellung in Berlin

Im Chinesischen Kulturinstitut Berlin wurde in der vergangenen Woche zum siebten Mal eine „Quyi-Galavorführung“ präsentiert. Ein besonderer Anlass, der sogar den Botschafter der Republik China, Herrn WU Ken und seine Frau, in die Klingelhöferstraße lockte.

„Quyi“ – schon der Name alleine klingt geheinmisvoll. Wer in Deutschland hat den Begriff „Quyi“ schon gehört? Meist nur China-Kenner, die ein bischen in die Kultur des Landes hineingeschnuppert haben. „Quyi“ ist der Überbegriff für alle Arten der volkstümlichen Gesangs- und Vortragskünste Chinas. Das besondere Augenmerk liegt auf dem sprachlichen Ausdruck, und dieser wird durch traditionelle Musikinstrumente und Gestik begleitet.

Bei dem Quyi-Galaabend traten zwölf sehr erfolgreiche Meisterinnen und Meister ihres speziellen Genres auf. Sie zeigten unter der Leitung des bekannten Xiangsheng-Interpreten und Vorsitzenden der Chinese Ballad Singers Association, Jiang Kun, Ihr Können.

7. Quyi-Gala-Vorstellung in Berlin
Ansprache des Xiangsheng-Interpreten und Vorsitzenden der Chinese Ballad Singers Association, Jiang Kun und Künstler der 7. Quyi im Chinesischen Kulturinstitut – Pressefoto

Für die deutschen Besucher der Vorstellung wurden Übersetzungen per Projektor an die Wand geworfen. Starke Gestiken und individuelle theatralische Vorstellungen der Künstler sprachen dazu gleichzeitig ihre eigene Sprache, und zeigten eine erfrischende und lustige Seite der chinesischen Volkskunst, die im Publikum gut ankam und Lachsalven auslöste.

Gleich zu Beginn der Vorstellung brachte Herr Chen Jianyang, Direktor des Chinesischen Kulturinstituts, das Besondere der Vorstellung auf den Punkt, als er im Wortlaut sagte, „Sie werden sehen, dass der chinesische Humor sich von dem deutschen unterscheidet.“

Chinas Botschafter Wu in Berlin
Grußansprache des Botschafters der VR Chinas in Berlin S.E. Wu Ken zum 7. Quyi-Festival – Foto: Pressefoto

Sprechgesang und Lachen
Schon die erste Präsentation, mit dem Titel Komischer Dialog: „Singen und Lachen“, von LIU Hui und LI Chenhao, brachte das versammelte chinesisch-deutsch gemischte Publikum mitsamt Botschafter zum herzlichen Lachen.

Auch wenn bei dieser Szene nur knappe Erläuterungen an die Wand projeziert wurden, konnte man verstehen, es ging um lustige Städte- und Straßennamen in Deutschland. Der Name der Stadt Hamburg wurde aufgegriffen, deren Name scheinbar von einem leckeren „Hamburger“ abgeleitet zu sein scheint. Die Stadt Essen und Kochstraße in Berlin-Mitte kamen ins Gespräch. Als Baden-Baden in den Blickpunkt rückte, erschien die Projektion einer Collage an der Wand. Sie zeigte ein Bild der Baden-Badener Altstadt zusammen mit einem Freibad, in dem lustig vergnügt viele Badegäste herumplanschten.

Die Sprechdialoge der beiden Vortragskünstler waren perfekt aufeinander abgestimmt. Wenn zu Beginn das Schwergewicht bei dem ersten Sprecher lag, so verschob sich dieses rhythmisch im Laufe des Gesprächs zu seinem Gegenüber, bis es sich in etwa im Gleichgewicht befand. Die schöne Sprachmelodie des Chinesischen unterstrich die Kunstfertigkeit des eloquenten Vortrags von von LIU Hui und LI Chenhao, deren traditionelle Mönchsgewänder einen ernsthaften Kontrast bildeten.

Gesang mit hochfliegenden Tönen
Die Präsentation der zierlichen Sängerin ZENG Lian stand in der Tradition der Sichuan Qingyin Oper. Sie widmete sich dem „Drachen fliegen lassen“. Dieser Gesangsstil aus der Sichuan Provinz im Südwesten Chinas hat eine sehr lange Traditon, die bis in die Ming-Dynastie, im 14. bis 17. Jahrhundert, zurück reicht. Die extrem hohen lautstarken Töne erhoben sich im Raum in die Lüfte und schienen Glas zum Klirren zu bringen.

Die hohe Kunst des Maskenwechsels
Aus der Sichuan Oper kam auch die Kunst des Maskenwechsels, ein theatralischer Tanz, der von Geheimnissen umgeben ist. Während der Drehungen und Beugungen, den hin- und herschwenkenden Bewegungen der Künstlerin LI Xue wechselten ihre ausdrucksstarken Gesichtsmasken in Sekundenbruchteilen. Die Masken starrten das Publikum an, nur für Augenblicke, um sich bei der nächsten Umdrehung wieder zu wandeln. Ein großer Applaus kündete von der Begeisterung der Zuschauer für die hohe Kunst.

7. Quyi-Gala-Vorstellung in Berlin
Deutsch-chinesisches Duett Niklas Donath & GAO Hongsheng im wechselnden Sprechgesang mit der Ballade und „Legende von Wusong“ – Pressefoto

Deutsch-Chinesisches Duett
Niklas Donath ist der lebendige und charmante Beweis: es ist möglich in vier Jahren perfekt in die chinesische Kultur und Sprache einzutauchen. Niklas Donath führte die Moderation des Abends und wechselte spielerisch zwischen Mandarin und chinesischen Dialekten und deutscher Übersetzung.

Das chinesisch-deutsche Duett GAO Hongsheng und Niklas Donath bot wirklich ein besonderes Erlebnis: in Begleitung von Shandong Klappern und schnellen Klappern erzählten sie im wechselnden Sprechgesang die traditionsreiche Ballade und „Die Legende von Wusong“, in der der Held ein junges Mädchen auf dem Markt vor den Fängen eines Zuhälters bewahrt.

Pantomime mit Bienen-Summen
Die Zwillinge LIU Quanhe und LIU Quanli waren zum Schluß eine besondere Attraktion des Abends. Beiden Komiker sind die einzigen chinesischen Künstler, die schon den World International Award „Golden Clown“ gewonnen haben. Mit ihrer publikumsnahen Vorstellung „Der kleine Vogel und die Biene“ begeisterten sie alle Besucher des Chinesischen Kulturinstituts.

Der Quyi-Galaabend präsentierte chinesische Kleinkunst in individeller Höchstform und kam fast ohne politische Anspielungen und Seitenhiebe aus. Der Blickpunkt lag bei alltäglichen Begegnungen der Menschen, Humor und Liebe, Eifersucht und Freundschaft.

Ein schönes Beispiel lieferte dafür auch das glorreiche Lied von ZENG Lian, verfasst von Mao Zeyong, das die Schönheit und den Edelmut der Pfingstrosen in Pengzhou rühmte, einer kleinen Stadt in Sichuan, die umgeben von einer malerischen Landschaft ist. Erst gegen Ende des Liedes gab es eine kleine Anspielung auf den Heldentod der vielen chinesischen Soldaten, die im Kampf für ihr Vaterland zu Ende des Zweiten Weltkriegs gestorben waren.

„Quyi“ zeigte die Kraft und Lebendigkeit der chinesischen Volkskunst, die auch Leichtigkeit und Humor sehr schätzt. China ist dabei ein Stück näher gerückt, und hat sich mit einer sehr herzlichen und warmen Seite gezeigt.

7. Quyi-Gala-Vorstellung in Berlin
Schlußbild der 7. Quyi-Gala-Vorstellung in Berlin – Pressefoto
7. Quyi-Gala-Vorstellung in Berlin
Internationales Publikum im chinesischen Kulturinsttut in Berlin – Pressefoto
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