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EU-Zeitzonen und populistisches Komfortdenken

Europäische Sommerzeit - quo vadis?

///- Kommentar -///- Aktuell haben die EU-Verkehrsminister über ein mögliches Ende der Zeitumstellung in Europa beraten. Die Beratungen wurden notwendig, weil die EU-Kommission nach dem Ergebnis einer EU-Umfrage zur Zeitumstellung ins Wanken geraten sind, und eine Umstellung erwogen hatte. Inzwischen ist Ernüchterung eingetreten, denn in jedem Fall soll ein Flickenteppich unterschiedlicher Zeitzonen in den 27 EU-Staaten vermieden werden.
In der EU-Kommissionsumfrage hatten sich mehr als 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für eine Abchaffung der bisherigens Regelung ausgsprochen. Es war zugleich die erfolgreichste Kommissionsumfrage in der EU-Geschichte.

Doch in der Praxis gibt es erhebliche Bedenken, denn die Europäische Union hat drei Zeitzonen:

– In Österreich und 16 weiteren Staaten gilt dieselbe Zeit.
– Acht Länder – unter ihnen etwa Estland, Griechenland und Zypern – sind eine Stunde voraus.
– drei Staaten liegen eine Stunde zurück: Irland, Portugal und Großbritannien.

Eine veränderte Zeitumstellung führt insbesondere an den östlichen und westlichen Rändern der EU zu merkwürdigen und unbequemen Phänomenen:

– In Teilen von Polen würde bei dauerhafter Winterzeit im Sommer die Sonne bereits gegen drei Uhr morgens aufgehen.
– Bei immerwährender Sommerzeit würde im Westen Spaniens im Winter die Sonne erst gegen zehn Uhr vormittags aufgehen.

So ist es nicht verwunderlich, wenn es derzeit keine Einigung auf Kommissionsebene und auch nicht auf Verkehrsministerebene gibt. In Österreich hat derzeit den Ratsvorsitz und hat die Sommerzeit seit 1980 eingführt. Hier ist daher auch wenig Bereitschaft vorhanden, an der geltenden Regelung etwas zu ändern.

Immerhin: Österreich legte einen Kompromissentwurf vor, wonach die Zeitumstellung erst ab 2021 abgeschafft werden könnte.

Was inzwischen skeptisch stimmen muss: in der EU-Kommissionsumfrage kamen von 4,6 Millionen Antworten rund 3 Millionen aus Deutschland, die sich für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen hatten. Gegen die geltende Sommerzeitregelung war in Deutschland eine regelrechte Kampagne veranstaltet worden, die auch von Medizinern, Schlafmedizinern und populistischen EU-Gegnern genutzt wurde.

Die europäische Vernunft ist dabei offenbar auf der Strecke geblieben, denn ein europäischer Wirtschaftsraum kann nur mit stabilen Zeitzonen existieren. Die EU-Verkehrsinister müssen nun eine aus dem Ruder gelaufene Debatte und das populistische Komfortdenken der Mitteleuropäer wieder einfangen, und einen neuen gesamteuropäischen Kompromiss herbeiführen.

ms
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