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Offene Gesellschaft wandelt sich in die „sozial adressierte“ und in die unsichtbare Gesellschaft“

anzeigio Citizenship Media

Von Michael Springer

„Wer blickt da noch durch?“ — Das Stadtportal berlin.de hat wenigstens 660.000 Seiten, einschließlich der Seiten der zwölf Berliner Bezirksämter. Tausende Gesetze, Vorschriften und Verordnungen, Normen und Regeln sind verlinkt. „Wer kann alles lesen? — Wer kann alles wissen?“ — „Wer kann die vielen Regeln befolgen?“„Wer kann damit noch planen, regieren, bauen, wirtschaften?“

Die Berliner Wirtschaft wird im Unternehmensregister abgebildet. 190.201 Rechtliche Einheiten und Niederlassungen waren im Land Berlin 2019 (Stand: Unternehmensregister 30.09.2020) gelistet. — In 1919, 2020 und 2021 kamen jeweils 38.200, 37.700 und 39.300 Gewerbeneugründungen dazu.

Dazu kommen tausende Freie Berufe, vom Apotheker bis zum Beratenden Ingenieur, bis zu Übersetzern, Vermessungsingenieuren und Wirtschaftsprüfern — ingesamt eine schwer überschaubare Zahl, weil neben der Homepage auch Experten- und Themenportale und Verlage geführt und betreut werden.

Die Zahl der Bildenden Künstler und Designer wird laut Destatis Spartenbericht „Bildung und Kunst“ auf ca. 15.000 Personen geschätzt, wobei es statistische Unschärfen gibt.

Gemeinnützigkeit, Mildtätigkeit und Mäzenatentum sorgen für weitere tausende Internetseiten von Vereinen, Bürgerstiftungen. Stiftungen, Initiativen, Stadtteilinitiativen und Stadtteilzentren.

Dazu kommen abertausende Internetseiten von staatlich geförderten Projekten, auch Internet-Ruinen von abgelaufenen Förderprojekten, die noch immer im Netz zu finden sind.

— „Gibt es einen Überblick?“ — Eine digitale Gesamtstatistik der Internetpräsenzen, geordnet nach Themen und Wirtschaftszweigen, gibt es bisher nicht. Ein klares Versäumnis von Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik. — Und ein Erkenntnisproblem für Wirtschaftsförderung und Medienpolitik! —„Wer sichtet nach Relevanz, Themenbezug, Widersprüchen, Sinn und Kontexten?“ — Außer öffentlichen Bibliotheken und Journalisten sind nicht viele Berufe bei der Systematisierung involviert!

Millionen Internetseiten – welche Politiker, Bürger und Gäste der Stadt blicken noch durch?

Lokalpolitisch und für das Funktionieren der 12. Berliner Bezirke und ihrer Ämter relevante Nachrichten sind alljährlich in großer Zahl journalistisch zu verarbeiten. Mindestens 12.000 Nachrichten und Beiträge sind dafür jährlich erforderlich, besser wären aber 24.000 bis 36.000 — wenn man informierte, mündige und aktive Bürger und gute Erwerbsbedingungen für die Wirtschaft, Transparenz und Klimaschutz und Nachhaltigkeit und, und, und …. haben will.

Sprachprobleme treten dazu: über 50% der in der Metropole lebenden „Echtzeit-Bevölkerung“ mit Touristen, Gästen und entsandten Mitarbeitern sprechen eine andere Muttersprache. Englisch ist bereits in weiten Teilen der Wirtschaft „lingua franca“ — im öffentlichen Leben jedoch nicht!

Hinzu kommt ein Überangebot an Webinaren, Videokonferenzen und Werbevideos, die das Zeitbudget eines Jahres mit 8760 Stunden und etwa 2.200 Arbeitsstunden und etwa 700 Stunden durchschnittlicher Internet- und Digitalmediennutzung übersteigen.

Podcasts und Videostreaming sind inzwischen Erfolgskonzepte, bei denen aber individuellen Zeitbudgets und Energieverbrauch geradezu explodieren. „Binge Watching“ ist inzwischen für Serienfans ein Freizeitevent. Podcasts begleiten Smartphone-User inzwischen im öffentlichen Nahverkehr und auf der Liegewiese im Park.

Was folgt daraus? — Welche Trends entwickeln sich? — Erste Beschreibungen sind möglich!

Die Digitalisierung schreitet rasant, ungesteuert, mannigfaltig und interkulturell vielfältig voran. An Generationen gebundene kulturelle Praxen verändern sich, viele Angebote verwaisen, sterben ab.

Vereine geben ihre Arbeit auf, wenn Aktivisten und Vorstände altersbedingt aufgeben müssen. Aber auch kulturelle und informelle Angebote entfalten plötzlich völlig unerklärlich keine Anziehungskraft mehr, weil sich Medienphänomene, Cancel Culture und Werbephilosophien verändern.

Aus lebendiger Kultur wird weniger sichtbare Kultur, und schließlich sogar unsichtbare Kultur. Parallel verfällt die Definitionshoheit großer kultureller Gemeinschaften. Gegner entfalten plötzlich öffentliche und mediale Präsenz und Wortmacht in sozialen Medien. — Auch Lokaljournalismus stirbt digitalökonomisch aus, oder übt den „Heldentod“.
Kein Wunder, denn erst ab monatlich 12 Mio. „Visits“ fängt mediale-wirtschaftliche Stabilität an. Doch in Deutschland ist bei 4 Mio. Einwohnern und weniger als 25% Zeitungslesern schon viel früher Schluß.
Der Tagesspiegel hat deshalb eine überregionale Positionierung aufgebaut, über 80% der Visits der digitalen Angeboten stammen von überregionalen Lesern und vor allem auch Ex-Berlinern.

Staatliche Institutionen versuchen dagegen zu wirken: Förderprogramme, Beauftragte, Partizipation und Teilhabe, Antidiskriminierungspolitik, Stadtportale. Und natürlich OpenData und Übernahme und Kuratierung öffentlicher Information, bis hin zur Besucherlenkung, Sozialraum-Kommunikation und Besuchersteuerung. Vieles davon ist inzwischen datenschutzrechtlich und verfassungsrechtlich problematisch, wie etwa die Besucherlenkung bei visit berlin.

Immer mehr des „Guten“ wird getan, aber Nachrichtenflut, Mikro-Öffentlichkeiten und wachsende Zahlen von Informationsmittlern und Apps sorgen für steigenden Aufwand, und schlimmerweise für schwindende natürliche Lesereichweiten. „Bad Governance“ mehrt sich, weil 12 Bezirke sich nicht abstimmen, und noc nicht einmal eine einheitliche Stadträte-Struktur und Zuständigkeit haben.
Für alle vom Internet abhängenden wirtschaftlichen Akteure resultiert ein enorm steigender Marketingaufwand.
Im unsozialen Plattformwettbewerb gestehen Internet-Werbemodelle Lokalzeitungen praktisch keine effektiven Erlöse mehr zu. Erst ab 250.000 Visits pro Monat werden Werbenetzwerke aufgeschaltet. — Google fordert dagegen bis zu 2.500 € für 1.000 Klicks bei Real-Bidding-Anzeigen. Google-Anzeigen werden zudem bis ins Tessin, nach Mallorca und Vorarlberg ausgespielt, wie ein im Bezirk bekanntes alteingesessenes Beerdigungsinstitut vorgeführt hat. Offensichtlich werden Google-Anzeigen an viele internationale deutschsprachige Zeitungen syndiziert, was bei den getäuschten lokalen Händlern aber fast an Betrug grenzt.

Von der Lokalzeitung zu „Citizenship Media“

Aus der Vielzahl der Fakten und Trends kristallisiert sich ein neues Strukturbild der Stadtgesellschaft heraus: die Offene Gesellschaft (im Popperschen Sinne) wandelt sich die heute „medial-digital und sozial arbeitsteilige und teilweise kollaborative Gesellschaft“ in eine „sozial adressierte“ Gesellschaft mit „Mikro-Öffentlichkeiten.“ Zusätzlich entstehen durch „Digitalisierung, KI und Deep-Tech“ strukturierte Eliten und “unsichtbaren Gesellschaften.“ — Öffentliche Verwaltung und gutes Regieren werden dabei immer schwerer, weil die Vielzahl der notwendigen Informationen und Regeln nicht mehr alle Köpfe erreicht, bzw. erreichen kann.

Die Berliner Verwaltung hat hier das Modell von der „Veröffentlichungs-Fiktion“ und „Partizipation & Teilhabe“ für „eingeladene Mikroöffentlichkeiten“ erfunden, das aber wegen der Vielzahl von Verfahren keine hohe Teilnahme-Akzeptanz findet, wie zuletzt beim Klimaschutz-Konzept Tempelhof-Mitte.

Viele öffentliche Fakten und gemeinschaftsnotwendige Informationen bleiben „quasi unsichtbar“, obwohl sie öffentlich zugreifbar sind: „Man muss nur wissen, wo und nach welchen Stichworten zu suchen ist!“

Die digitale Lokalzeitung könnte helfen. Aber es ist von politischen Parteien und Wirtschaft offenbar nicht gewollt — Lieber werden Datenschutz und digitale Bürgerrechte mißachtet, und „digitale Ineffizienz“ vermehrt.

So bezieht die Suchmaschine Google ihre bisherige Marktmacht, die über umfassenden Richtlinien und periodischen Anpassungen verteidigt wird, die allen Seitenbetreibern immer neue Re-Investitionen aufzwingen. — Sind Städte zu klein, können Lokalzeitungen nicht mehr mithalten.


Journalismus ist aber systemrelevant für Demokratie & Märkte, und wird heute zum systemnotwendigen Beruf als „Door-Opener“, als „Info-Scout“ und „Enlightener.“ — Lokale Zeitungen sind dazu wichtige lesereichweitenstarker Mittler und Verstärker, die „Aufmerksamkeits- und Sichtbarkeits-Ökonomien“ und mediale Synergien in Gang halten, und lokale Wertschöpfung stärken.

Mit Systemkosten von 1-2 €/Einwohner und Jahr sind digitale Lokalzeitungen (im Endausbau) sogar „supereffizient“, weil „Aufmerksamkeits- und Sichtbarkeitsökonomien“ eine sehr viel höhere lokale Wertschöpfung und ertragreiche Datenökonomien in der Stadt ermöglichen ( mit theoretisch bis zu 6.000 €/E/Jahr). Heutige Datenökonomien führen dagegen schon 1.500-2.600 €/Einwohner und Jahr aus der lokalen Ökonomie an die vier GAFA-Konzerne ab.

Der heutige „Qualitätsjournalismus“ lehnt sich direkt an Datenökonomien an, setzt auf Leser-Schranken und Abo-Paywalls und spielt sich vorwiegend als informeller „Gate-Keeper“ für zahlende Eliten und B2B-Eliten aus.
Lokale Medien können aber viel mehr ermöglichen, wenn auf Abo-Paywalls und digitale Hürden verzichtet werden kann. Hierfür braucht es neue regulierungspolitische Ansätze, die helfen, lokale Ökonomien und individuelle Wertschöpfung und Kulturökonomien zu stärken.
Mit dem „Smart City Bluebook“ werden universelle Prinzipien und Vorgaben für eine universelle auf Lokalmedien und SmartCity-Technologien gestützte „Public Media Governance“ erarbeitet.

Der universelle Innovationspfad von der digitalen Lokalpresse wird daher erweitert, und künftig mit dem Oberbegriff „Citizenship Media“, mit lokalen „Public Social Networks“ und mit „Curated Press Media“ mit Pressekodex und „Smart City Kodex“ voran getrieben.

Das Prinzip „Zeitung“ und Journalismus sind zudem in der Lage, „Sichtbarkeits-Ökonomien“ und „Datenökonomien“ im besten Sinne lokal zu verbinden und zu syntegrieren — um lokale Wertschöpfung zu fördern.

Planetarisierung: lokale Vernetzung von Offener Gesellschaft, offenen Datenökonomien & Systemen

Mit dem „Citizenship Media-Konzept“ wird ein neues universelles Leitbild für Pressemedien entwickelt, das UNESCO-Leitlinien, internationales Recht und Presserecht, eine Public-Social-Internet Governance und eine neue multilinguale Konvention schafft. — Die größten wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Spannungen können weltweit gemildert werden, wenn auch Arabisch und arabische Dialekte, Türkisch und viele Turksprachen lebendig und als Verkehrssprachen zugänglich bleiben, um Demokratisierung und fairen Handel zu fördern.

Good governance, freie Märkte und individuelle Freiheiten und sozialer Zusammenhalt sollen künftig über ein öffentliche pressefreie und kuratierte Mediensysteme inspiriert, ermöglicht und gesichert werden.
Sichtbarkeit, Open Access und energiesparende Datenökonomien sind essentiell, um die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele umsetzen zu können.

Eine intelligente, faire internationale Presse- und Medien-Zusammenarbeit und „fairer wertkomparativer Freihandel“ werden auf den neuen Seidenstraßen zwischen EU und China und auf den Weltmärkten dazu beitragen, von der heutigen „Globalisierung der Konzernnetzwerke“ zur Planetarisierung „kulturgeprägter und regelbasierter Gesellschaften“ und „Stadt-Land-Gesellschaften“ überzuleiten. Lokale Presse und regionale und internationale Presse müssen dabei Synergien für Stabilität, Nachhaltigkeit und Resilienz entwickeln und beständig neu anpassen und Offenheit und Sichtbarkeit sichern.
Die Akteure der Technologien der „unsichtbaren Gesellschaft“ müssen durch Regeln und Konventionen zur Sichtbarmachung, Erklärung und Aufklärung, Open Access und „Fair Use“ gezwungen werden.

Inklusive Presse-Medien ohne Leser-Paywalls — systemrelevant für die Offene Gesellschaft

Der Innovationspfad zu „Citizenship Media“ ist offen, ausbaubar im „RealLabor.“ — Künftig wird das Mediennetzwerk Berlin auf ein universellen Bezahl-Modell umgestellt, in dem „Öffentlichkeits- und Pressearbeit“ fair finanziert wird. Publiziert nur noch für „akkreditierte Mitglieder“, die einen finanziellen Beitrag, Werbebudgets und aufwandbezogene Gebühren und Preise für „gute Öffentlichkeitsarbeit“ absichern, und sich für „Public Open Social Responsibility“ einsetzen.

Themenvorschau:
PR-Agenturen — Hindernis für SmartCity-Technologien und Gefahr für die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele


Einfach.SmartCity.Machen: Berlin! — Citizenship Media entstehen im „RealLabor.“ Erzeugt werden Sichtbarkeit, Open Access, Links, natürliche Reichweiten und beliebige FlatMarkets ohne DigitalProvision. Gastbeiträge, Autorformate, Permanent- und Echtzeitoptionen im eCommerce werden konnektiert. Mit Datenschutz und ePrivacy. Fairer, supereffizienter Freihandel in der „Creative City“ wird ermöglicht.

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