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Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett …

Krimisalon Stadtbibliothek Mitte

Für mehr als 6.000 Nächte könnte Mimi jeweils einen neuen Krimi lesen – wenn sie den einzigartigen Krimisalon der Bruno-Lösche-Bibliothek in Moabit nutzen würde. Bibliotheken sind beliebte Treffpunkte und verströmen einen besonderen Charme trotz fortschreitender Digitalisierung – oder gerade deswegen?

Gänsehaut garantiert
Wer den Krimisalon betritt, sieht eng mit Spannungsliteratur bestückte Regale. Über 6.000 Krimis laden auf bequemen Sesseln zum Schmökern bei wohligem Schauder ein. Bunt wie die Rücken der Bücher sind ihre Inhalte, Beschriftungen zeigen das Genre an: Krimi, Thriller, Horror.
Wer lieber zuhört oder zuschaut, hat ebenfalls die große Auswahl: Mehr als 1.600 ‚kriminelle‘ Hörbücher, über 800 Kriminalfilme auf DVD sowie konventionelle und elektronische Krimi-Spiele können ausgeliehen werden. Der Salon bietet auch einen Marktplatz rund um den Krimi: Verlage stellen die Werke ihres neuen Spannungsprogramms aus.

Lesungen von Krimi-Autoren laden regelmäßig zum Nervenkitzel ein, dazu trägt das auf Dunkelheit gedimmte Licht bei. Gelesen wird aus klassischen Ermittler-Krimis, Psychothrillern, Regionalkrimis, historischen oder (schwarz)humorigen Kriminalgeschichten, auch gibt‘s Kulinarisch-Kriminelles mit Weinprobe.

Bruno-Lösche-Bibliothek
Bruno-Lösche-Bibliothek in Berlin-Moabit – Foto: Alter Fritz CC BY-SY 4.0

Warum lieben Menschen Krimis?
Manchen Lesern kann es nicht gruselig-blutig genug sein. Sich auf der Couch ausstrecken mit einem Gläschen – so schön warm und sicher. Mit dem Gedanken ‚mir kann nichts passieren‘, lässt man sich furchtlos auf das Böse im Menschen ein. Andere Leser lieben es, mitzurätseln. Wer ist der Mörder und warum hat er getötet? Falsche Fährten werden gelegt, Hinweise und Spuren versteckt, bis der Täter in der finalen Zuspitzung, dem ‚Show down‘ überwältigt wird. Krimis beschäftigen sich aber nicht ‚nur‘ mit Verbrechen, Blut und Tod. Sie verpacken bestimmte Themen wie Politik, Psychologie, Umweltschutz, soziale Missstände, aber auch historische Ereignisse, auf unterhaltsame Weise. Und der Leser ist angefixt durch die spannende Handlung bereit, sich mit einer bestimmten Problemlage auseinanderzusetzen.

Wer war es? Whodunit?
Der Schöpfer des klassischen Detektivroman war Edgar Allan Poe, der 1841 den Doppelmord in der Rue Morgue von seinem Detektiv Auguste C. Dupin aufklären lässt. Der Detektiv im Whodunit kann als abgebrannter privater Schnüffler, als durch ein Verbrechen aufgeschreckter Hobbykriminologe oder als Kommissar auftreten. In der hard-boiled novel (hartgesotten) ermittelt der Detektiv häufig in schmutzigen Ecken der Gesellschaft. Klassische Vertreter dieser Richtung sind Raymond Chandler und Dashiell Hammett. Manchmal schreckt sogar der Ermittler nicht vor Gewalttaten zurück (z.B. Mickey Spillanes Figur Mike Hammer). Demgegenüber spielen sich die klassischen britischen Kriminalromane (z.B. Agatha Christie) meist in einer letztlich geordneten Welt ab. Gemordet wird aufgrund aufeinanderprallender widerstreitender Interessen, klassische Mordmotive sind Rache, Hass, Eifersucht, Besitzgier, und die Aufklärung des Verbrechens stellt die Ordnung wieder her. Bekannte Autoren und ihre Detektive sind: Sir Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes), Agatha Christie (Hercule Poirot und Miss Marple), Dorothy L. Sayers (Lord Peter Wimsey), G. K. Chesterton (Pater Brown), Georges Simenon (Kommissar Maigret), Martha Grimes (Inspector Jury), Ian Fleming (James Bond Agent 007), Elizabeth George (Inspector Lynley), Sara Paretsky (Vic Warshawski), Rita Mae Brown (Tigerkatze Mrs. Murphy).

Nerven-Kitzler – Der (Psycho)Thriller
Im Thriller kämpft der Held (Protagonist) meist gegen moralische, seelische oder körperliche Gewalt durch seinen Gegenspieler (Antagonist). Nicht die Aufklärung des Verbrechens ist der Höhepunkt, sondern der Sieg über den Gegner. Der Leser kennt häufig von Anfang an Täter und Tathergang, die Spannung entsteht aus dem Kampf des Helden gegen eine Übermacht, oft mit gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Hintergründen. Schafft der Protagonist es, in gefahrvollen Situationen sich und vielleicht andere zu retten? Auch gibt es Thriller, in denen der Held beim Schlusskampf mit dem Gegner stirbt. Das Böse ist nicht besiegt. Im Psychothriller steht die (Patho)Psychologie des Täters oft im Vordergrund. Häufig geht es auch um einen emotionalen Konflikt zwischen mehreren Personen oder auch um den Kampf mit sich selbst, etwa aufgrund traumatisierender Erlebnisse.

Aus den Geburtsländern des Thrillers
Der Amerikaner Steven King, weltbekannter Autor von zahlreichen Thrillern und Horror-Romanen nähert sich dem Innenleben seiner Figuren aufs äußerste, ohne sie zu sabotieren, und entwickelt mit scharfem Blick eine beunruhigende Symbolik von Alltagsgegenständen (u.a. Carrie, 1977, Schlaflos, 1994, Die Arena, 2009, Der Anschlag, 2012, Das Institut, 2019). Nicci French kreiert Thriller um die britische Psychotherapeutin Frieda Klein. Die Amerikanerin Jilliane Hoffmann lässt ihre fiktive Staatsanwältin C. J. Townsend in menschliche Abgründe blicken (Cupido, 2004, Morpheus, 2006, Argus, 2010, Nemesis, 2019), und der FBI-Spezialist Bobby-Dees spürt entführten Mädchen nach (Mädchenfänger, 2010, Insomnia, 2016). Der Australier Michael Robotham schreibt abgründige Psychothriller (Dein Wille geschehe, mörderischer Menschen-Manipulator, 2009, Sag, es tut dir leid, Entführung eines Mädchen, 2013, Schlafmacher, Serientäter will vergangenes Unrecht löschen, 2015). Der Brite Steve Watson, arbeitete für den Geheimdienst und schreibt psychologisch ausgefeilte Thriller in der selten benutzten Ich-Form und im Präsens (Ich.Darf.Nicht.Schlafen, über Amnesien, 2011; Tu es nicht, Eine Frau mit Doppelleben).

Der Norden mag’s hart – Die Skandinavier
Der Schwede Henning Mankell schuf mit Kurt Wallander einen griesgrämigen, sozial engagierten Kommissar. Stieg Larsson wurde mit der erst nach seinem Tod veröffentlichten Millenium-Trilogie weltbekannt (Journalist Blomkvist und Ermittlerin Salander geraten in familiäre Abgründe (Verblendung), sind einem Menschenhandel auf der Spur (Verdammnis), Blomkvist muss seine unter Mordverdacht stehende Partnerin retten (Vergebung). Arne Dahl, schwedischer Literaturwissenschaftler, ist Autor mehrerer Krimi-Reihen: Paul Hjelm und Kerstin Holm von der A-Sonderermittlungsgruppe der Stockholmer Polizei ermitteln in den internationalen Fällen. In der Reihe Opcop (Overt Police Cooperation) bei Europol mit Sitz in Den Haagt verfolgen Hjelm und 13 internationale Ermittler das global agierende organisierte Verbrechen. Der dänische Autor Jussi Adler-Olsen lässt in seinen düsteren Thrillern den Leiter des Sonderdezernats Q in Kopenhagen und seinen syrischen Assistenten Assad ermitteln (Erbarmen, Schändung, Erlösung). Der Schwede Häkan Nesser schuf eine Reihe um den Kommissar Van Veeteren, angesiedelt in einem fiktiven nordeuropäischen Land und der norwegische Autor Jo Nesboe lässt seinen alkoholkranken, alleinstehenden Kommissar Harry Hole in brutalen Mordfällen ermitteln.

Deutsche Thriller-Autoren holen auf
Sebastian Fitzek, bekanntester deutscher Thriller-Autor schreibt nahezu jedes Jahr einen neuen Psychothriller. Seine Werke spielen in Berlin und handeln oft von psychisch gestörten Menschen, die anderen grausame Dinge antun, wobei er jeweils eine neue Ausgangslage entwickelt. Er bleibt seinem speziellen Genre treu und seine Fans sind zufrieden (Werke u.a.: Die Therapie, 2006, Augensammler (2010), Der Nachtwandler 2013, Passagier 23, 2014, Das Paket, 2016, Flugangst 7A, 2017, Der Insasse, 2018, Das Geschenk, 2019). Weitere deutsche Thriller-Autoren sind u.a. Arno Strobel (Der Trakt, Frau erwacht aus Koma, 2010), Max Bentow (Federmann, Killer platziert Vögel auf seinen Opfern, 2011). Shooting-Star Melanie Raabe schrieb u.a. einen Psychothriller um einen prophezeiten Mord (Der Schatten, 2018).

Krimisalon in der Bruno-Lösche Bibliothek
Krimisalon in der Bruno-Lösche Bibliothek – inzwischen ein Markenzeichen – Grafik: © Bruno-Lösche Bibliothek

Es passiert in meiner Gegend
Die Regionalkrimis spielen in einer bestimmten Gegend und bearbeiten heimatliche Charaktere und Klischees. Der Ur-Vater war Jaques Berndorf mit seinen Eifel-Krimis um den recherchierenden Journalisten Siggi Baumeister. Horst Bosetzky (ky), der auch Gast im Krimisalon war, schrieb etliche, z.T. auch historische Krimis (u.a. Es geschah in Berlin, eine Reihe um Kommissar Kappe und seinen Sohn, beginnend in 2010).
Rita Falk lässt in ihren niederbayerischen Provinz-Krimis mit viel Mundart und Lokalkolorit den Dorfpolizisten Franz Eberhofer Mordfälle aufklären. Das Autoren-Duo Volker Klüpfl und Michael Kobr schickt seinen Kommissar Kluftinger in witzige, spannende Allgäu-Abenteuer. In seinen Ostfriesland-Krimis lässt Klaus-Peter Wolf die Kommissarin Ann-Kathrin Klaasen in gesellschaftliche und menschliche Abgründe blicken. Donna Leon schickt ihren Commissario Guido Brunetti in Venedig auf die Arbeit.

Kulinarik, Gift & Komplott
Auf kulinarische Krimis spezialisiert ist Tom Hillenbrand. Er verwickelt den ehemaligen Sternekoch Xavier Kieffer, der in Luxemburg ein Restaurant betreibt, in Mordfälle.
Historische Krimis führen den Leser in z.T. weit zurückliegende Zeiten. So lässt der Amerikaner John Maddox Roberts im alten Rom seinen Decius Caecilius Metellus Mordfälle aufklären. Uwe Klausners Anwalt Clayton Percival ermittelt in London um 1600, der Polizist Tom Sydow dagegen verfolgt im Berlin ab den Vierzigern bis 1962 politisch motivierte Verbrechen (Walhalla-Code, Odessa-Komplott, Kennedy-Syndrom , Eichmann-Syndikat).

Kriminalgericht in Berlin-Moabit
Foyer mit Treppen des Kriminalgerichts in Berlin-Moabit – Foto: Membeth – CC0

Gerichtskrimis
In den Gerichtskrimis von John Grisham (amerikanischer Rechtsanwalt und demokratischer Politiker), ist beherrschendes Thema der Kampf gegen Ungerechtigkeiten, oft nach dem Prinzip ‚Klein gegen Groß‘‘ (Werke u.a.: Die Firma, Die Jury, Die Akte, Das Testament, Die Erbin, Anklage, Bestechung). Verbrechen anhand von Leichen-Spuren wurden bei Patricia Cornwell durch ihre Medizinerin Kay Scarpetta bereits 24 Mal aufgeklärt (zuletzt Totenstarre 2019).

Mehr Platz für Krimis: die Bruno-Lösche-Bibliothek bekommt mehr Raum
Das war eine winzige Auswahl an Krimis. Es verwundert nicht, dass es in der Bibliothek eng wird, gibt es dort noch ca. 65.000 andere Medien. Daher soll auch die Bruno-Lösche-Bibliothek in einem Neubau für die Staatsanwaltschaft gegenüber dem Kriminalgericht Moabit ihren angemessenen Platz finden. Vielleicht beflügelt die Nähe zum Palast der Strafjustiz sogar eine weitere Krimi-Untergattung: True Crime (Wahres Verbrechen) widmet sich der Darstellung realer Kriminalfälle, die eine besondere Schwere oder eine perfide, abscheuliche Vorgehensweise der Täter aufweisen, aber auch der Analyse von Verbrechen und Täter-Persönlichkeiten in psychologischer und soziologischer Hinsicht, der Arbeit der Kriminalpsychologen, Forensiker, Kriminalisten und der Staatsanwaltschaft und Strafjustiz.

Neugierig geworden? Nichts wie hin in den Krimisalon!
Die Verfasserin ist Autorin von Polizei-Krimis und durfte bereits öfter im Krimisalon lesen. Susanne Rüster ist auch Autorin im Mediennetzwerk Berlin und schreib von Zeit zu Zeit Justiz- und Rechtskolumnen.

Geöffnet: Mo – Fr 10.00-19.30 Uhr; Sa 10.00-14.00 Uhr
Kontakt: Tel.: (030) 9018 3 3025 | E-Mail: loesche@stb-mitte.de
ÖPNV: U9 Birkenstr.; S Westhafen; Bus M27, 123

Bruno-Lösche-Bibilothek | Perleberger Str. 33 | 10559 Berlin | Internetseite
 

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