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Stell Dir vor, es ist Kultur, und die „Smartkachel“ zeigt es nicht an!

TagesSpiegelEi — Kolumne rund um digitale Hürden

Glosse Michael Springer

Joachim Huber, verantwortlicher Redakteur Medien. geht gerne in Theater, Museen, Konzerte, Ausstellungen – und vermisst dort junge Kundschaft. — Er ist damit nicht allein! — Auch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer ist besorgt, hat das aber vorhergesehen: „Wir wissen um ein durchaus überaltertes Publikum, ohne dass entsprechend neues Publikum nachwächst.“ — Das habe sich jetzt verschärft, zitiert der Tagesspiegel heute in der Online-Ausgabe.

Die Besorgnisse sind grundlegend, denn viele kulturelle Potentiale in Berlin liegen brach, und verbrauen Energie und Heizenergie, und steigern die CO2-Emissionen.

Joachim Huber findet wegweisende Worte: „Weil sich eine Gewohnheit herausbilden kann, die nicht nur zu weiterer Enthaltsamkeit führen, sondern à la longue eine Erosion der Sympathie und der Bereitschaft zu weiterer Unterstützung der Institute und Institutionen auslösen kann. Stell Dir vor, es ist Kultur – und keiner geht hin!“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth will nun die weit verbreiteten Smartphones mit 200 € und einer App „pimpen“ und dabei auch ganz genau sehen, wer was wo und wann mit wem „kulturgucken“ geht!

Mit der Jugendkulturkarte stockt Berlin weiter auf: ab dem 1. Februar 2023 steht jungen Berliner*innen im Alter von 18 bis 23 Jahren ein Kulturguthaben von 50 Euro zur Verfügung.

Joachim Huber vom Tagesspiegel denkt über Angebot und Nachfrage nach:„Was, liebe Leserin, lieber Leser, würden Sie einem 18-Jährigen, einer 18-Jährigen, als Ausstellung, als Inszenierung, als Buch empfehlen? Schwierig, oder?“ — Und kommt dabei zu einen „Kurzschluß:“

„Junges Publikum braucht junges Programm, es ist nicht zuvorderst daran interessiert, auch bei derartigen Gelegenheiten Eltern und Großeltern in die Arme zu laufen.“ — Außer die Rolling Stones sind auf der Bühne!

— Und dann setzt es den „Zirkelschluss“: „Jugend braucht Freiheit – und Jugend.“ —

Der Journalist übersieht dabei Wesentliches: „Kultur“ muss zuerst auf „Smartkacheln“ sichtbar sein, bevor sie informieren, inspirieren und einladen kann!

Freiheit braucht dafür auch offenen und alltäglichen Zugang zu Kulturinformationen — ohne Schachtel-Menüs, ohne Abo-Paywalls und in lebendig aufbereiteter Form.

— Vor allem aber entsteht Freiheit, wenn es in Medien kein Opt-In, keine digitalen Hürden und einen offenen Redaktionszugang gibt — der auch „Selbstpublikationen“ — statt nur „posten“ erlaubt!

Die Kulturpolitik der großen Parteien hat die heutige Misere mit viel Steuergeldern übrigens selbst verursacht — indem sie Daten-Export, Personendaten-Export, einschließlich Livestreams, und digitale Plattformökonomien, Bewegtbilder und Podcasts selbst fördert und mitfinanziert! — Zehn Jahre „lieblose Kulturankündigungen“ und „Vierzeiler mit Headline“ haben eine breite Spur „Kulturverlust“ hinterlassen.

Und so bildet die Demografie noch das geringste Problem, während Mehrsprachigkeit vor allem in der Museums- und Ausstellungskultur zur großen Herausforderung wird: „Über 200 Museen in Berlin — wie heißen die eigentlich?“