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Zeitungsmarkt Berlin: Boulevard im Minus, Tagesspiegel im Plus

Zeitungskrise in Berlin

Die alle zwei Jahre veröffentlichte IVW-Verbreitungsanalyse wird immer mit Spannung erwartet. Die aktuelle Ausgabe der VA 2018 gibt für die führenden Tageszeitungen in Berlin ein bedenkliches Bild, denn die Gesamt-Auflage der Zeitungsabos schrumpft weiter.
Allein der Tagesspiegel profitiert von der wachsenden Einwohnerzahl. Seine verkaufte Auflage stiegt auf 86.894. 5.531 neue Leser (= 6,8 %) wurden hinzugewonnen.
Der größte Verlierer folgt auf dem zweiten Platz. Die einst größte Abonnementzeitung Berlins, die B.Z. verlor 20.774 Leser (= -20,7 %) und hat in der VO 2018 noch 79.605 Leser.

Die Berliner Zeitung folgt auf dem dritten Platz mit 77.670 Käufern, ein Verlust von 7.413 (=-8,7 %). Auf PLatz vier liegt die Berliner Morgenpost: 71.327 Käufer ( -2.206 = -3,0 %).

Auch die anderen Boulevard-Zeitungen büßten stark ein:
5. Platz: Berliner Kurier: 49.400 ( -8.303 = -14,4 %)
6. PLatz Bild: 32.172 (-3.443 = -9,7% (.

Unter den anspruchsvollen überregionalen Tageszeitungen ist ein zum Teil existenzbedrohender Rückgang zu verzeichnen.

7. Platz: Die Welt + Welt Kompakt: 16.335 ( -2.472 = -13,1 %)
8. Platz: Süddeutsche Zeitung: 14.660 ( -1.887 = -11,4 %)
9. Platz: Frankfurter Allgemeine Zeitung: 14.270 (-431 = -2,9)
10. Platz: Handelsblatt: 11.867 (-3.117 = 35,6 %).

Unter den linken Tagesszeitung ist die taz nicht in der IVW-Verbreitungsanalyse aufgeführt. Die taz nimmt an dem kostenträchtigen Messverfahren nicht teil , und steht deshalb für die Werbewirtschaft in einer Sonderstellung.

Auf 11. Platz steht die Zeitung Neues Deutschland mit gerade noch 7.226 Käufern (-1.450 = -16,7 %), die damit zum Nischenblatt wird.

Die Liste mit den zwanzig meistverkauften Tageszeitungen in Berlin ist bei MEEDIA in übersichtlicher Form veröffentlicht worden.

Wohin driftet der Berliner Zeitungsmarkt?

Erschreckend ist die Relation zwischen der Gesamt-Einwohnerzahl Berlins von rund 3.601.131 Einwohnern (Daten 2016) und nur rund 461.426 Abonnenten (Zeitungen von 1-11 addiert). Nur rund 12,8 Prozent der Berliner sind engagierte Print-Zeitungsleser.

Die Ursachen für diese rückläufigen Entwicklungen sind komplex. Gewandeltes Mediennutzungsverhalten, Demografische Entwicklungen und vor allem die steigende Belastung durch exorbitant gestiegene Mieten sind vordergründige Ursachen.

Doch es gibt auch einen Systemwechsel, weil Mieten plus GEZ-Gebührenzwang plus Internetanschlußgebühren zu einem vermehrten Druck auf des verfügbare Netto-Haushaltseinkommen führen. Vor allem beim Übergang in Rente kommte es so zu Abo-Kündigungen.

Dazu kommt die Konkurrenz durch staatliche Medienportale, sowwie zu einer Verlagerung von Werbemitteln ins Internet-Plattformen. Was dabei nicht bedacht wird: ökonomisch wird die Basis für Pressefreiheit mehr und mehr eingeschränkt, denn Journalisten müssen auch finanziert werden können.

Die Gesamtentwicklung wird bald auch den Ausschuß für Europa- und Bundesangelegenheiten, Medien im Berliner Abgeordnetenhaus beschäftigen.


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